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Wissenschaftler rütteln an Tabus bei Gesundheitsleistungen

Die Sparpolitik im Gesundheitswesen stößt an Grenzen. Nun rühren Ärzte, Politiker und Ethiker an einem Tabu, das in Deutschland noch gilt: Sie diskutieren über eine Rationierung. Das bedeutet, öffentlich finanzierte medizinische Leistungen würden nach vorgegebenen Kriterien zugeteilt.

„Eine Welt ohne Rationierung ist nicht denkbar“, sagt etwa Professor Friedrich Breyer, Lehrstuhlinhaber für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Universität Konstanz in der „Apotheken Umschau“. Auch der Aachener Professor Dominik Groß, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, befindet: „Wir sind schon mitten in der Rationierung, und wir kommen auch gar nicht daran vorbei.“ Noch wehren sich maßgebliche Politiker vehement gegen diese Gedankenspiele.

„Unser Gesundheitssystem verfügt über genügend Geld, um jedem Patienten die notwendige Behandlung zu bezahlen“, sagt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die gleichwohl schon viele Sparmaßnahmen durchsetzen musste. Die Diskussion um Rationierungen greift im Wissenschaftsbetrieb um sich, auch wenn unklar ist, wohin sie führt. „Aussichten auf glatte, leichte Lösungen bestehen kaum“, schreibt Professorin Bettina Schöne-Seifert, Medizinethikerin an der Universität Münster, in der „Apotheken Umschau“. Sie verlangt, dass die Diskussion offen geführt wird und spricht von einer bereits bestehenden „verdeckten Rationierung“, die sie für nicht legitim hält. „Denn sie verletzt das Recht der Bürger und Patienten, darüber informiert zu sein und darauf zu reagieren.“  

Das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ 1/2008 A liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.



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